Von Michael Wermes

Wie jedes Jahr zum Ende hin macht man sich zum Jahreswechsel so seine Gedanken. Stetig auftretende Panikattacken vorm großen Fest, wirklich für alle Verwandten und Freunde – oder zumindest dem Anschein nach nahestehenden Personen – ein passendes Geschenk zu finden, erleichtern keinesfalls die Erreichung des eigentlichen Sinn (oder Unsinn) der beschaulichen Weihnachtszeit.

Dieser besteht, meiner Einschätzung nach, darin, sich entweder näher zu kommen, das Jahr Revue passieren zu lassen oder gemeinhin die eigene Unzufriedenheit mit einem krönenden Riesenschmaus zu beenden. Dabei fallen einem immer wieder die gleichen Dinge auf. Erstens: Altkluge Kommentare wie diese hier häufen sich exorbitant häufig zum Jahresende hin. In einer Art Preview wird bereits darauf hingewiesen, dass im Januar der Abnehmen-müssen-Wahninsinn wieder Einzug hält. Es wird – in Bezug auf ein berühmtes Vickow von Bülow Zitat – gebetsmühlenartig lamentiert, dass früher alles besser gewesen wäre. Vor allem aber lässt sich der Mensch – unter der Annahme er sei dem Trieb des Herdentieres unterworfen – gegen jede Intuition darauf herab, sich an Orte zu begeben die völlig überfüllt sind und ihn somit in Minutenschnelle auf ein misanthropisches Panikniveau katapultieren lässt.

Warum also diesen Kommentar zum Jahresabschluss? Menschen sind häufig unzufriedener als sie es eigentlich sein könnten. Das klingt erstmal verwunderlich. Betrachtet man das Ganze jedoch genauer, fällt auf, dass wir uns in Nordeuropa in einem allumfänglichen Reichtum befinden. Das Genörgel und Gemotze scheint eine Eigenschaft und eine Art Schnupfen der Menschen zu sein, der stetig wiederkehrt. Warum also nicht gleich richtig? Wir leben in einem Land in dem im Gegensatz zu den meisten anderen Staaten der Welt eine Rechtssicherheit besteht, die man nahezu vorbildlich nennen könnte. Niemand wird erschossen wenn er frühs aus dem Haus geht – der letzte Krieg ist bereits ein paar Jahrzehnte her. Das Gesundheitssystem verdient im Gegensatz zu der Situation in anderen Ländern als solches auch diesen Namen. Es gibt genügend Speis und Trank – Überfluss an allen Ecken und Enden. Klar ist nicht alles ideal, aber es wäre auch nicht zu unmenschlich wenn es auf der anderen Seite auch nichts zu kritisieren gäbe. Von daher spare ich mir diesen Punkt.

Man kann (bzw. könnte) sich also allgemein zum Jahresende hin über allerlei Dinge aufregen. Und genau das möchte ich an dieser Stelle nun weiter ausführen. Mit Pseudomoral kann man so seine Probleme haben. Ich habe ganz große damit.

Liebe Mitmenschen da draußen. Wenn ihr Veranstalter_innen, Besucher_innen oder gar Anbieter_innen auf und von Angeboten auf Weihnachtsmärkten, die sich die Etiquette geben alternativ zu sein, seid, verhaltet euch bitte auch so. Ich kaufe mit meinen Kids sehr gerne eure selbstgebauten und -gedruckten Artikelchen – bitte verpackt diese aber einfach in (gebrauchtem) Zeitungspapier und nicht in extra für diesen Zweck erworbenen durchsichtigen Plastehüllen.

Allgemein fände ich es schöner wenn man anstatt viel zu kaufen in dieser (nachwievor durch Krieg und Hass gebeutelten) Zeit aufmerksamer und ernster miteinander umgeht. Ihr trinkt gerne Glühwein? Kauft den doch einfach an den Ständen mit Pfandtasse welche einen guten Zweck unterstützen. Trotz übermäßiger Sättigung – das ganze Jahr über muss es unbedingt die Billigbratwurst (Thema zerhackte Tiere in Därmen anderer Tiere) auf dem Weihnachtsmarkt sein? Vorschlag: mehr ist weniger. Holt euch doch zur Abwechslung mal eine Tofuwurst. Nach dem dritten Glühwein werdet ihr den Unterschied sowieso nicht mehr schmecken. Ich könnte jetzt noch weitere dutzende solcher Kritikpunkte anbringen, belasse es aber dabei, da ich mich nun doch langsam in eine Modi begeben möchte, die dem was wir hier in Europa vorfinden noch am ehesten entpricht: Einem Miteinander getragen von Respekt, Frieden und Gleichheit (so zumindest in meiner Wunschvorstellung).

In diesem Sinne einen schönen 13.12. – Freitag den 13!

Eine Antwort

  1. //SK//

    Gut auf den Punkt gebracht. Das mit der Tofuwurst sollte ich mal ausprobieren –
    natürlich mit grünem Tee anstatt Glühwein.

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