Alles begann im Jahre 2005 in Kalifornien. Die ehemaligen PayPal Mitarbeiter Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim kamen auf die Idee, eine Videoplattform im Internet zu kreieren, die sich nicht mit Pornographie beschäftigt. Wie heißt es doch so schön: „The Internet is for Porn!“. Stattdessen war es an die Leute gerichtet, die ihre selbstgedrehten Urlaubsclips, Fernsehausschnitte, Musikvideos und vor allem ihre Katzenvideos hochladen und anderen Nutzern kostenlos zur Verfügung stellen wollten. Es war ein langer Weg vom ersten hochgeladenen Video „Me at the zoo“, welches von Mitgründer Jawed  Karim selbst erstellt wurde, bis zu den heutigen 400 Stunden Videomaterial, welches jede Minute hochgeladen wird.

Logo-Entwicklung 2005 – 2018 (Quelle: Wikipedia)


Im Jahr 2008 konsumierten schon ca. 19% der Gesamtbevölkerung Deutschlands täglich YouTube. Heute, 10 Jahre später, sind es schon knapp 60%. Dieser Trend zeigt deutlich eine immer stärkere Akzeptanz des Mediums YouTube in Deutschland. Viele Menschen, vor allem jüngere Generationen, haben dem „normalen“ Fernsehprogramm abgeschworen und besitzen zum Teil nicht einmal mehr einen regulären Kabel-oder Satellitenanschluss. Sie suchen sich ihre Unterhaltung lieber im Internet bei Streaming-Portalen wie z.B. Netflix oder eben Youtube.

(Datenauswertung: Statista.com)

Im Jahr 2007 war der Youtube-Anteil der gesamten 18% Internet-Video-Streams 10%, laut einer Studie der US-amerikanischen Firma Ellacoya Networks.

Das Problem mit Kabel- und Satelliten-Fernsehen ist die zeitliche Unflexibilität. Du bist beim Fernsehen gezwungen, zu einer bestimmten Zeit vor der Glotze zu sitzen wenn du nichts verpassen willst. Im Gegensatz dazu kannst du bei Video-on-Demand (Netflix, Youtube, Amazon Prime usw.) jederzeit alles sehen was du willst und so viel du willst, ohne in den meisten Fällen eine Woche warten zu müssen bis die nächste Folge deiner Lieblings-serie ausgestrahlt wird.

(Quelle: Pixabay.com)

In jüngster Zeit lässt sich beobachten, dass sich ein Teil des politischen Diskurses von klassischen TV-Talkformaten zu YouTube verlagert. Dort haben die Zuschauer durch die Kommentarfunktion die Möglichkeit, direkt ihre Meinung mitzuteilen. Durch Häufung von Sichtweisen und deren Bewertung durch andere Benutzer lassen sich auch Mehrheiten zu Themen herauslesen.

Ein weiterer Punkt ist die Archivierung von Video- oder Fernsehinhalten (Aufzeichnung ganzer Veranstaltungen) als Quellenreferenz, da diese stets abrufbar bleiben. Darüber hinaus löste YouTube das Musikfernsehen (MTV, Viva) fast vollkommen ab, welches bis dahin beinahe exklusiv die aktuelle „Popkultur“ verbreitete.

Zu den beliebtesten Genres auf YouTube gehören Musik, Comedy, Let´s Plays bzw. Gaming, Beauty und „Do it Yourself“, sowie Tutorials. Dies sind aber bei weitem noch nicht alle. Jede noch so kleine Sparte wird auf YouTube bedient. Ob du dich für das Angeln interessierst oder einem dicken Mann dabei zu sehen willst, wie er ein Glas Mayonnaise isst? Kein Problem! Auf YouTube findest du alles und noch mehr. Es gibt zu jedem erdenklichen und undenklichen Thema Clips. Kein Wunder bei der bizarren Menge an Videomaterial, welches pro Tag hochgeladen wird.

Nach anfänglicher Zurückhaltung begann YouTube im August 2007 mit Werbeeinblendungen bei Videos ausgewählter Partner in den USA. Die Partner werden an den Werbeeinnahmen ihrer Videos beteiligt. Videos, die von Privatpersonen hochgeladen wurden, sollten vorerst nicht mit Werbung gekoppelt werden.

Die Voraussetzungen für eine Teilnahme am Partnerprogramm war das regelmäßige Hochladen von Videos, deren Urheberrecht man besitzt. Außerdem mussten die Videos laut YouTube von tausenden Benutzern geschaut werden. Am 26. Juni 2008 gab Google Deutschland bekannt, dass das Partnerprogramm nun auch hierzulande verfügbar ist.

Somit hatte man die Möglichkeit, sich mit Hilfe von Youtube als „Content Creator“ selbständig zu machen. Einige bestreiten ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit der Videoproduktion für YouTube. Dies ist laut Aussagen von Creator und Verdienstschätzungen von Internetseiten wie Socialblade möglich ab einer Abonnentenzahl von ca. 800.000. Allerdings kann man kaum konkrete Zahlen über die Einnahmen in Erfahrung bringen, da Youtube eine Verschwiegenheitsklausel fordert. Somit können die Einnahmen von YouTubern nur anhand der Videoaufrufe geschätzt werden. Andere Einnahmequellen sind z.B. Produktplatzierungen, Advertorials, Affiliate-Links, Merchandising und Auftritte.

(Quelle: Pixabay.com)

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass YouTuber jeden Monat sechststellige Beträge im Schlaf verdienen – doch hinter jedem erfolgreichen YouTuber steckt inzwischen ein knallhartes Geschäftsmodell.

Viele der großen YouTube-Stars, die es heutzutage auf mehrere Millionen Abrufe pro Monat bringen, stehen schon jahrelang vor der Kamera. PewDiePie etwa fing 2010 an, Gronkh circa zur gleichen Zeit. Damals hat noch niemand von „YouTubern“ gesprochen oder gar daran gedacht, dass diese irgendwann bei der jungen Zielgruppe beliebter sein werden als TV-Stars. Aber mit der Professionalisierung der Branche änderte sich auch das Selbstverständnis der YouTuber.

Ab 2017 macht Youtube es den Selbständigen auf ihrer Plattform nicht grade einfach. Durch die zahlreichen Anpassungen der Monetarisierungsrichtlinien, um YouTube attraktiver für Werbetreibende zu machen, dürfen viele Videos nicht mehr monetarisiert werden. Und dies teilweise aus den banalsten Gründen wie: politische Themen im Video oder Schimpfwörter. Das ist praktisch eine Zensur seitens YouTube, da Content Creators, die auf das Einkommen über Youtube angewiesen sind, in ihrer Meinungsfreiheit stark eingeschränkt werden.

PewDiePie ist immer noch der größte selbstständige Youtuber der Welt. Mit bürgerlichem Namen heißt der Schwede Felix Arvid Ulf Kjellberg. Er hat über 82 Mio. Abonnenten und liegt damit weit über Pop-Größen wie Justin Bieber, Ed Sheeran oder Katy Perry. Seit 2010 begeistert der 29-Jährige seine Zuschauer mit einem Mix aus Let’s Play´s, Vlogs und Comedy-Videos.

(„Gronkh“ / Erik Range – Quelle: dpa / picture-alliance)

Unsere einheimischen Berufs-Youtuber können natürlich nicht mit solchen Abonnentenzahlen glänzen, grade wenn sie keinen englisch-sprachigen Content liefern. Dennoch sind die Abozahlen bei einigen beeindruckend. Zu den größten selbstständigen deutschen Youtube-Stars gehören Bianca Heinicke (BibisBeautyPalace), Julien Bam und natürlich der einzigartige Erik Range alias Gronkh . Mit seinen 4,8 Millionen Abonnenten ist er der größte Gaming/Let´s Play-Kanal Deutschlands.

Aber selbst unsere Region hat ein paar Sternchen zu bieten. Wie zum Beispiel die umstrittene Katja Krasavice aus Leipzig mit ihrem erotik-orientierten Youtube-Kanal. Sie „erfreut“ ihre Zuschauer mit Lifestyle und Sexualität rund um ihre Person. Mit Videotiteln wie: „SO GEHT MAN RICHTIG FREMD!“ oder „OMG! Ich TRINKE aus BENUTZTEM KONDOM“ spricht sie ihre männliche Zielgruppe, die zwischen 14 und 25 liegt, anscheinend sehr gut an. Ihre Abonnenten-Zahlen wachsen stetig und liegen schon bei 1,3 Millionen, was auch ihren Musikvideos und ihrem Fernsehauftritt im letzten Promi Big Brother auf Sat1 zu verdanken ist. Alles im Allem ist ihr „Sex sells“ – Prinzip doch etwas fragwürdig, aber es scheint zu funktionieren.

Weitere erwähnenswerte Youtuber aus Leipzig sind zum Beispiel im Gamingbereich SEV (Severin Marschner) mit 176.800 Abonnenten und Maxim (506.000 Abos), der für seine League of Legends-Guides und Gameplays bekannt ist.

Aus Halle haben wir zum Beispiel noch „DunklerParabelritter“ alias Alexander Prinz, der sich mit seinen humoristischen Videos über das Thema Metal und Metalszene sehr großer Beliebtheit erfreut. Er hat eine sehr treue Fangemeinde, was seine stolzen 156.300 Abonnenten beweisen. Dies ist ziemlich hoch dafür, dass er mehr oder weniger nur für eine gewisse Nische Videos produziert.

Alternativen zu YouTube gibt es heutzutage einige, da die meisten sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram und Co. Video- oder Streaming-Funktionen anbieten. Allerdings hat sich noch keine als wirkliche Alternative herauskristallisiert. Am vielversprechendsten ist die Streaming-Plattform Twitch, die ihren Dienst auch immer mehr, wie YouTube, für VoD (Video-on-Demand) auslegt.

Deutsche Versuche, Video-Plattformen wie „MyVideo“ der ProSiebenSat.1 Media SE oder „Watchbox“ (ehem. „Clipfish“) von RTL Interactive zu etablieren sind gescheitert und konnten nie mit YouTube mithalten.

Zum Abschluss bleibt nur noch zu sagen, dass YouTube vorerst der Platzhirsch bleiben wird. Allerdings wünschen sich viele Nutzer langsam eine Alternative, da der Riese sich mit seinem Algorithmus und dem Bestreben, immer werbefreundlicher zu werden, den kleinen und mittleren Content Creators sehr viele Steine in den Weg legt. Man hat kaum noch Chancen, Geld zu verdienen oder sogar gefunden zu werden, wenn man nicht schon eine sehr große Community hat oder ein Unternehmen hinter dem Kanal steht.

(Alle genannten Abonnentenzahlen sind vom Stand Januar 2019)

YouTube: Sie würden nicht glauben was in diesem Artikel steht!!!
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2 Responses

    • Jenny

      Hallo Felix! Da freuen wir uns aber sehr, dass ausgerechnet Du den Beitrag so toll findest! 🙂 Wir finden ihn auch sehr gelungen. Schau doch mal wieder auf unserem kleinen bescheidenen Blog vorbei! 😉 Und weiterhin viel Erfolg bei Dir. Viele Grüße!

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