Bienengedicht

Ein Blumenglöcklein vom Boden hervor
war fröhlich gesprossen im lieblichen Flor.
Da kam ein Bienlein und naschte fein –
– o die müssen wohl beide füreinander sein.

Johann Wolfgang von Goethe

Ja es brummt und summt in den warmen Monaten des Jahres zwischen den Blumen. Und ein nicht unerheblicher Teil der Klangkulisse stammt von den uns sehr geschätzten Bienen. In diesem Artikel soll es aber weniger über die allerorts bekannten Honigbienen gehen, sondern vielmehr über ihre zahlreich vertretenen wilden Verwandten, welche doch oft unterschätzt und oder vergessen werden. Schließlich gehen fast zwei Drittel aller Blütenbefruchtungen auf ihr Konto.

Die Wildbienen gibt es in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben. Über 550 Arten allein in Deutschland. Sei es nun die kleine Steppenbiene mit ihren 3-5 mm Größe oder der Blauen Holzbiene mit ihrer fast 30 mm großen Erscheinung. Allerdings hört dort die Vielfalt nicht auf, denn die einzelnen Arten bevorzugen auch unterschiedliche Brutstätten. Einige graben Gänge in sandige Böden, andere bevorzugen altes Totholz und wiederum gibt es solche, die sich in Rissen und Löchern von Mauerwerk wohl fühlen. Auch die Gattung der Hummeln gehört mit zu den Wildbienen, welche ihre Nester gerne in alten Bauten von Mäusen oder anderen kleinen Wirbeltieren bauen.

Einige Wildbienenarten, zum Beispiel Mauerbienen, fliegen schon viel früher im Jahr als ihre honigproduzierenden Verwandten und bestäuben Blüten, was für einige Obstbaumsorten sehr wichtig ist. Die meisten Wildbienenarten leben solitär das heißt sie bilden keine großen Kolonien wie die Honigbienen (40.000 – 60.000 Tiere). Hummeln sind keine Einzelgänger, wie oft angenommen und bilden Staaten, allerdings mit wesentlich weniger Individuen (50 – 600 Tiere).

Wenn so viel Wildbienen solitär leben, wie vermehren sie sich dann? Das befruchtete Weibchen gräbt in den meisten Fällen einen längeren Gang und fertigt dort vier bis fünf Brutzellen an. Pro Brutzelle wird dann ein Ei gelegt, welche dann noch mit Nahrung für den Nachwuchs befüllt wird. Anschließend werden die Brutzellen versiegelt und der Nachwuchs sich selber überlassen. Und an dieser Stelle kommen wir zu den schwarzen Schafen unter den Wildbienen. Diese legen ihre Eier, wie der Kuckuck in fremde Brutzellen während die Erbauerin auf der Suche nach Nahrung oder Baumaterial ist. Diese Kuckucksbienenlarven fressen dann dem eigentlichen Nachwuchs die Nahrungsvorräte weg oder gleich die andere Larve.

Natürliche Feinde der Wildbienen:
• Diverse Spinnentiere: Jäger wie Krabbenspinnen und Kreuzspinnen und auch parasitäre Milben
• Libellen
• Fangschrecken (Gottesanbeterinnen)
• allerlei Käfer, wie Sandläufer und Bienenkäfer auch bekannt als Bienenwolf
• Raubfliegen, Wespen
• Eidechsen
• vielerlei Vogelarten, wie Bienenfresser und Fliegenschnepper
• einige Säugetiere, wie Igel, Spitzmäuse, Dachse, Bären, Wildschweine
• am verheerendsten und weniger natürlich, der Mensch mit der Vergiftung von Luft und Boden und der Zerstörung von Lebensräumen

Wenn es nur die naturgegebenen Konkurrenten und Wetterwidrigkeiten wären, die den Wildbienen das Leben schwermachen, dann hätten sie auf Grund jahrtausendlanger Anpassung keine weiteren Probleme. Aber wegen des massiven Eingreifen des Menschen in die Natur, sieht das Ganze für die Wildbienen doch anders aus. Nicht nur das immer mehr natürliche Lebensräume verschwinden, sondern auch ein Cocktail an verschiedensten Giften in der Umwelt landet.

Insektizide:
• in Deutschland sind laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) 117 Insektizide zugelassen Stand: 08.2020
• Zulassungsinhaber sind unter anderem: Bayer CropScience Deutschland GmbH, Evergreen Garden Care Deutschland GmbH, BASF SE und weitere
• Einige dieser Gifte sind Nervengifte wodurch sich die Insekten zu tote krampfen

Was kann man also tun oder was wird bereits getan um die Situation für die Wildbienen zu verbessern?

Was schon an einigen Orten getan wird ist zum Beispiel, Grünstreifen mit Wildblumen zu sähen und nicht zu mähen damit die kleinen Helfer auch ausreichend Nahrung über das Jahr finden. Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH, kurz LWB zum Beispiel legte in diesem Jahr (2020), 39 Blühwiesen an umso den Insekten einen Rückzugsort zur Verfügung zu stellen.

Dieses Beispiel hat sich die Redaktion näher angesehen und mit der Pressestelle der LWB Kontakt aufgenommen. Und die Pressesprecherin Samira Sachse war so freundlich uns zu antworten.

Redaktion: Wie sind Sie auf das Projekt gekommen?

LWB: Es hat verschiedene Impulse gegeben: Vor dem Hintergrund der großen öffentlichen Aufmerksamkeit für die Themen Biodiversität/Klimawandel/Insektensterben etc. sind sowohl unsere Mieter als auch die LWB Mitarbeiter besonders sensibilisiert.
Im Fall unserer größten Blühwiesenaktion in der Straße des 18. Oktober waren beispielsweise Kollegen aus der zuständigen Geschäftsstelle die Ideengeber, anderswo haben uns Mieter geschrieben oder angerufen und sich Blühstreifen gewünscht, um der Natur Gutes zu tun. Überaus engagiert sind ebenso unsere Kolleginnen und Kollegen vom Grünteam des LWB Hausmeisterservice für die Blühwiesen unterwegs.
Neben dem optischen Wert bieten die Blühwiesen Nahrung, sind Nistplatz und Winterquartier für Insekten. Aufgrund ihrer höheren Verdunstungsleistung im Vergleich zu Rasenflächen tragen sie zur Kühlung des Wohnumfeldes bei.
2020 haben wir an vielen verschiedenen Stellen angefangen. Ursprünglich sollten die Wiesen im Rahmen des diesjährigen Leipziger Frühjahrsputzes angelegt werden; Coronavirus bedingt musste die Stadt die Aktionen absagen. So hat die LWB in Eigenregie ab April an 28 Standorten 39 Biotope mit Gesamtfläche von über 2.000 Quadratmeter angelegt. Die Blühwiesen und –streifen sind über das gesamte Stadtgebiet „verteilt“. Die erste Wiese wurde in der Mockauer Straße angelegt, weitere in Mockau, Thekla, Reudnitz, Leutzsch, Schönefeld, Meusdorf, Engelsdorf, Sommerfeld, in der Südvorstadt und dem Zentrum folgten. Seit etwa Juni und voraussichtlich bis in den Herbst blühen die sie nun in Intervallen mit wechselnden Farbspielen. Zur Aussaat kam eine Samenmischung mit Saatgut von 40 verschiedenen Sommerblumenarten; mehr als die Hälfte von ihnen sind Arten und deren Sorten, die bei uns heimisch sind.

Redaktion: Wie werden die Blühwiesen von den Anwohnern angenommen?

LWB: Bisher haben wir nur positives Feedback aus der Mieterschaft erhalten. Eine Wiese in Leutzsch hat sich zum Magnet im Quartier entwickelt: Die Leute gehen vorbei, bleiben stehen, staunen, machen Fotos.

Redaktion: Wie werden die Blühwiesen von der Tierwelt angenommen?

LWB: Viele Insekten hört und sieht man, wenn man davorsteht; es brummt im wahrsten Sinne des Wortes.
Zusätzlich haben wir im Frühjahr drei Insektenhotels mit Igel-Unterkunft aufgestellt. Erste Nützlinge sind bereits eingezogen.

Redaktion: Haben Sie vor, noch mehr Biotope dieser Art in den kommenden Jahren anzulegen?

LWB: Im Herbst dieses Jahres sollen die ausgesuchten Standorte sowie der Pflegeaufwand im Vergleich zu herkömmlichen Rasenflächen betrachtet werden. Es ist möglich, dass die LWB danach weitere Blühwiesen und Blühstreifen anlegt bzw. vorhandene nachsät.
Leider sind nicht überall die Bedingungen für Blühwiesen oder Blühstreifen gegeben, also zum Beispiel ein sonniger Standort und ein magerer, nicht zu stark durchwurzelter Boden. Wo sich jedoch die Gelegenheit bietet, nutzen wir sie gerne und hoffen, dass die Anwohner und die Insekten ihre Freude daran haben.

An dieser Stelle einen Dank für die Antworten und weiterhin ein gutes Gelingen.

Außerdem ist es möglich selbst etwas für die Kleinen zu tun. Wie wäre es, wie im Interview erwähnt mit einem Insektenhotel oder einem wilden Grünstreifen im eigenen Garten? Darüber hinaus lassen sich Wildblumenmischungen auch in Blumenkästen anpflanzen. Das Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft bietet hierzu sogar derzeit eine Aktion an, bei der man Kostenlos ein paar Samentütchen zugesandt bekommt.

Und wenn ihnen lieber Leser mal eine Biene zu nahe kommt brechen sie nicht gleich in Panik aus, sondern bewahren sie Ruhe. Denn Bienen stechen nur im äußersten Notfall zum Beispiel, wenn sie eingeklemmt werden. Und manche Arten haben einen so kurzen Stachel, dass sie die menschliche Haut nicht durchdringen können. Im Übrigen, stechen nur die Weibchen die männlichen Drohnen haben keinen Stachel.

So brummen und summen die Wildbienen Jahr für Jahr befruchten dabei zahllose Pflanzenarten. Und wir Menschen sollten diesen nützlichen und für viele Lebewesen essenzielle Treiben nicht unnötig im Wege stehen.




Bildquellen:
Beitragsbild Holzbiene von Ditroitiusa auf Pixabay
Sandbiene von jggrza auf Pixabay
Mauerbiene von David Hablützela auf Pixabay
Beschilderung Blühwiese von Redaktion EinDruck
Wiese von Redaktion EinDruck

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