Plastikmeer

Im Laden tobt die Plastikflut.
Regale voll, der Inhalt klein.
Ich stapfe durch den Plastiksud,
und denke mir, das darf nicht sein.

Die Klimaschutz Baustelle


Plastik, Plastik und noch mehr Plastik, wo ich auch geh und steh – Kunststoffverpackungen. Da frage ich mich: Geht’s  auch (fast) ohne? Die Antwort: Ein klares Ja. Und das auch hier in Leipzig. Und das schon seit März 2016. Denn da haben Christin und ihr Partner Pierre im Leipziger Süden in der Kochstraße 6 den Unverpackt-Laden Einfach Unverpackt eröffnet. Nun denken Sie sich, werte Leser: „Scheint ja Quark von gestern zu sein.“ Mitnichten, denn dieses Jahr öffneten drei weitere Läden in Leipzig ihre Pforten. Zum einen eine zweite Filiale von Einfach Unverpackt auf der Könneritzstraße 95 in Schleußig und zum anderen ein weiterer Laden unter dem Namen lieber lose auf der Weißenfelser Straße 22 in Plagwitz. Und schließlich gibt es noch am Lene-Voigt-Park, in der Josephinenstraße 12, den Unverpackt-Laden Locker & Lose.

Nun könnte eine weitere Frage sein: Wie soll das funktionieren? Ganz einfach, der Kunde bringt seine eigenen Gefäße mit, seien es alte Gläser, Tupperware oder andere geeignete Behältnisse. Wenn Sie keine geeigneten Utensilien bei der Hand haben, findet sich in den meisten Läden eine Lösung. Die Gefäße werden vor dem Einkauf gewogen und mit dem Leergewicht beschriftet. Danach füllt der Konsument seine gewünschten Waren ab. Es wird ein weiteres Mal gewogen und unter Abzug des Leergewichts der Preis ermittelt. Klingt einfach, oder? Nun könnten kritische Stimmen fragen: Kann ich da alles unverpackt kaufen? Leider nein, denn einige Produkte kann man aus hygienischen Gründen oder weil es die Produkte einfach nicht einzeln unverpackt gibt, nicht in Unverpackt-Läden anbieten. Ein Blick lohnt sich allemal, denn Sie werden nicht glauben was es alles unverpackt gibt, ich sage nur: „Zahnpaste.“

Waren, die in einem Unverpacktladen erstanden werden können:
• Lebensmittel: Hülsenfrüchte, Getreide, Backwaren, Obst & Gemüse, Müsli, Nudeln, Reis, Milch-, Milchersatzprodukte und weitere
• Kein Fleisch, da dies noch weitere und höhere Hygienestandards voraussetzt
• Diverse Getränke
• Drogerieartikel: Zahnpaste, festes Shampoo, Reiniger, Zahnbürsten, Kondome aus Naturkautschuk und weitere
• Unterschiedliche Behälter, Dosen und Beutel

Damit Sie sich aber ein besseres Bild machen können, haben wir von der Redaktion EinDruck Interviews mit den jeweiligen Inhabern und Geschäftsführern geführt, welche uns mehr über ihre Unverpackt-Läden und ihre Ambitionen erzählen.


Einfach Unverpackt

Christin und Pierre haben bereit 2016 mit Hilfe von Crowdfunding (Gruppenfinanzierung) ihren ersten Laden Einfach Unverpackt in der Kochstraße eröffnet, welcher der erste Unverpacktladen in Leipzig war. Nun haben sie, wiederum über Crowdfunding finanziert, ihr zweites Geschäft in der Könneritzstraße eröffnet.

Hier folgt nun das Interview, welches wir noch vor der Eröffnung des zweiten Geschäfts mit Christin geführt haben:

Redaktion EinDruck: Stellst du dich doch erst mal vor. Und wie ihr denn dazu gekommen seid, einen Unverpacktladen zu eröffnen.

Christin: Also ich bin Christin, ich bin Angestellte hier im Einfach Unverpackt-Laden. Ich habe damals mit meinem Freund gemeinsam den Laden gegründet und eröffnet. Wir haben ein Jahr Vorbereitungszeit gehabt. Wir haben 2015 angefangen den Laden zu planen und im März 2016 haben wir dann eröffnet. Ich bin Angestellte, weil Pierre das am Anfang allein gemacht hat. Der stand halt das erste Jahr allein im Laden und ich habe meinen alten Job weitergemacht, weil wir ja nicht wussten wie gut es hier läuft. Und wir wollten einfach unsere privaten Kosten gedeckelt haben. Genau, und dann haben wir gesagt: „Irgendwann komme ich dann dazu, wenn es passt.“ Und das war dann ungefähr nach einem Jahr, dann haben wir auch den ersten Mitarbeiter eingestellt und sind dann stetig gewachsen. Vor allem letztes Jahr (2018) und dieses Jahr nochmal. Wir haben jetzt noch Mitarbeiter eingestellt für die zweite Filiale, die wir in Schleußig eröffnen wollen und sind jetzt schon ein großes Team von 13 Leuten. Ist schon sehr groß geworden. Wir haben halt zum Jahresanfang gemerkt, dass der Kundenansturm seit Weihnachten nicht mehr so wirklich abgenommen hat. Und haben uns dann dazu entschlossen noch eine zweite Filiale auf zu machen. Weil wir halt auch viele Kunden aus Schleußig haben. Pierre und ich sind so dazu gekommen: Wir haben früher zu Hause versucht nicht so viel Müll zu produzieren. Uns hat gestört, dass wir bei jedem Einkauf, bei jedem Kochen eigentlich den Müll runter bringen mussten, weil alles voll war und alles verpackt ist. Wir haben auch auf dem Markt eingekauft und haben versucht Sachen in Papier zu kaufen, aber bei Müsli und so hört es dann auf. Das kriegt man nicht anders. Pierre hat damals mitbekommen, dass Unverpacktläden auch nach Deutschland kommen. In anderen Ländern, Frankreich oder Großbritannien zum Beispiel, gibt es das schon seit vielen Jahren, es gibt sogar richtige Franchiseketten. Aber in Deutschland gab es das noch nicht. Und 2014 haben die ersten zwei Läden hier eröffnet und haben auch Unverpackt-Seminare angeboten, das heißt so eine Wochenendschulung und da haben wir 2015 einfach mal teilgenommen um uns das vor Ort anzugucken. Und danach waren wir so begeistert, dass wir gesagt haben: „Das gibt es nicht in Leipzig und es muss sich jemand trauen und wir probieren das jetzt einfach.“ Wir haben damals ein Crowdfunding gestartet um zu schauen wie die Idee hier ankommt. Und das war so erfolgreich, dass wir uns gedacht haben – Ok es ist so viel Zuspruch, wir probieren das jetzt einfach. Ja, und es hat sich positiv entwickelt, so sehr, dass wir jetzt schon den zweiten Laden aufmachen.

Redaktion EinDruck: Klingt doch schon mal gut. Wo kommt ihr um Plastik nicht drum herum und wieviel Plastikmüll fällt bei euch noch an?

Christin: Um Plastikmüll kommen wir nicht herum. Wir haben auch Handys und Laptops, auf die wir nicht verzichten wollen, die immer alle mit Plastik sind. Ansonsten versuchen wir tatsächlich schon darauf zu achten, auch wenn wir privat bestellen oder einkaufen gehen oder wenn ich für den Laden was Neues bestelle dann frage ich direkt immer im Vorfeld: „Wie ist das verpackt? Kommt das in Plastik? Kann man das einfach weglassen?“ Meistens geht das. Viele benutzen auch einfach alte Kartons und alte Zeitungen zum Polstern. Also es geht eigentlich ganz gut.

Privat schaffen wir unseren Müll jetzt alle fünf Monate runter, also den gelben Sack, sag ich mal. Das ist tatsächlich nur, wenn man mal was geschenkt bekommt oder Hundefutter. Im Laden ist es so, dass der Großteil in 25 Kilo Papiersäcken kommt. Bei manchen Sachen geht das nicht ganz, da ist dann noch eine dünne Folie innen drin beziehungsweise ist es in einer großen Plastiktüte. Das ist zum Beispiel bei den Gummibärchen oder bei Trockenfrüchten, das würde einfach durch den Papiersack durchweichen und würde auch nicht so lange haltbar sein. Da ist es nicht möglich, dass man darauf verzichtet. Aber da das 25-Kilo-Säcke sind, spart man diese vielen, kleinen einzelnen Verpackungen.

Wir bekommen wirklich alles in Großgebinden. Mittlerweile sogar Vieles im Pfandgebinde. 10-kg-Eimer zum Beispiel gehen dann einfach wieder zurück. Obst und Gemüse kommt in diesen grünen Kisten, das ist immer unverpackt. Wo es geht, versuchen wir es schon. Und unsere Papiersäcke bekommen sogar noch ein zweites Leben, die werden jede Woche von Foodsharing abgeholt, denn die lagern darin nochmal ihre Sachen in der Verteilerstation. Pappe ist noch was, dass groß anfällt bei uns. Aber wir hier im Laden haben ungefähr so viel Müll wie eine durchschnittliche Familie, bzw. haben wir ähnlich viel Müll wie die Familien hier im Haus.

Redaktion EinDruck: Heißt plastikfrei auch immer gleich Bio oder Öko?

Christin: Nein, wir sind nicht zu 100% „Bio“. Wir haben ungefähr zu 95% Bio-Produkte aber auch ein paar Produkte die regional sind und dafür nicht biozertifiziert, Manche Hersteller die noch klein sind können sich das nicht leisten. Und uns ist da immer der Aspekt „regional“ mindestens genauso wichtig.

Redaktion EinDruck: Gibt es derzeit Produkte die sie unbedingt unverpackt anbieten möchten, die es aber zurzeit noch nicht unverpackt gibt?

Christin: Ja, wir würden gern Tofu oder andere pflanzliche Alternativen anbieten. Zum Beispiel im Bereich Pflanzendrinks. So was gibt es nicht in Pfandflaschen oder unverpackt. In anderen Städten wie Berlin haben sich sogar Startups gegründet. Die beliefern sogar die Unverpacktläden dann frisch mit Tofu. In Leipzig fehlt das noch. Fleisch haben wir absichtlich nicht, weil man noch eine extra Kühltheke bräuchte und man auch nochmal andere Hygienebestimmungen hat. Deswegen haben wir nur eine kleine Auswahl an Käse bei uns und sonst ein rein vegetarisches Sortiment.

Redaktion EinDruck: Was ist für sie Nachhaltigkeit?

Christin: Nachhaltigkeit ist sehr vielfältig zu definieren. Es fängt bei mir an mit: Wir schauen wo kommen die Produkte her, wie wurden die hergestellt, kann man den ganzen Lebenszyklus des Produkts zurückverfolgen, die Wertschöpfungskette, ob es nachhaltig und fair hergestellt wurde, wie wird es verschifft, wie wird es geliefert. Wir versuchen wirklich immer, bei jedem Produkt zu wissen: Wo kommt es genau her und wie wurde es hergestellt. Damit wir auch wissen, dass wir es mit gutem Gewissen anbieten können.

Redaktion EinDruck: Wie sichert ihr hier im Laden die Hygiene und Haltbarkeit?

Christin: Wir geben bei allen Lebensmitteln beziehungsweise auch Reinigungsmitteln und Co immer ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) an. Die Sachen haben aber so einen schnellen Durchlauf, dass es meistens schon wieder leer ist, bevor das MHD abläuft. Das kam vielleicht dreimal vor bis jetzt, das ist so selten. Wir haben uns langsam an das Sortiment ran getastet und mit kleineren Säcken angefangen, um zu gucken was wollen die Leute überhaupt kaufen. Und dann, wenn man merkt: Ok das wird viel gekauft, dann geht man auf die großen Gebinde. Und so machen wir das mit neuen Produkten auch. Darüber hinaus haben wir alle an einer Hygieneschulung teilgenommen und wir haben drei Köche im Team, die den richtigen Umgang mit Lebensmitteln von Berufswegen her schon beherrschen. Und wir haben natürlich auch regelmäßig Abstimmungen und Kontrollen durch das Hygieneamt.

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD):
• ist auf den Refillsystemen und Abfüllkanistern angegeben und kann auf das eigene Gefäß übertragen werden
• Waren, die kurz vor dem Ablauf stehen werden in der Regel günstiger angeboten oder an soziale Hilfsgruppen weitergegeben

Hygiene:
• Hier zu Lande stehen Läden, welche Lebensmittel verkaufen, unter der Aufsicht der amtlichen Lebensmittelüberwachung
• Die amtliche Lebensmittelüberwachung führt meist unangekündigte Kontrollen der Geschäfte durch und nimmt Stichproben, um diese zu untersuchen, um so den Schutz der Verbraucher sicher zu stellen
• Fachkräfte im Lebensmittelhandel nehmen an Hygieneschulungen teil

Redaktion EinDruck: Wie habt ihr auf euch aufmerksam gemacht?

Christin: Ja, wie ich schon sagte, am Anfang mit Crowdfunding. Und dann wurde es wirklich so eine Mund zu Mund Propaganda, mehr oder weniger. Wir haben nie wirkliche riesengroße Webeaktionen gestartet. Wir haben am Anfang mal ein paar Flyer (Werbezettel) verteilt, wo wir das Crowdfunding hatten, da war ein Einkaufsgutschein drauf. Genau, das Crowdfunding war unsere größte Aktion so. Ansonsten sind die Zeitungen und Radiosender dann auf uns aufmerksam geworden und kommen dann meistens auf uns zu.

Redaktion EinDruck: Ja, so wie wir. (Lachen) Was ist euer Bestseller im Laden?

Christin: Das sind so die gängigen Produkte die man jede Woche isst, das sind Müsli und Nudeln eigentlich. Wenn du jetzt danach fragen würdest, was wir persönlich am liebsten haben – dann ist das unser Nougat.

Redaktion EinDruck: Ok, Nougat. Ich glaube da haben wir bei uns auch welche, die sich darauf freuen würden. Was unterscheidet euren Laden von euren zukünftigen oder schon jetzigen Mitstreitern hier in Leipzig?

Christin: Ja, unsere Mitstreiter, das sind tatsächlich alles Kunden von uns, die wurden inspiriert. Genau wie wir finden die, dass es in jedem Stadtteil noch jemanden geben kann. Und das Besondere an Unverpacktläden in Deutschland ist, dass es keine Kette ist. Sondern das jeder eigenständig ist, und somit hat jeder Laden seinen eigenen Charme. Wenn wir unterwegs sind und die Möglichkeit haben besuchen wir auch mal gerne andere Unverpacktläden und holen uns Inspiration. Es gibt jetzt schon über hundert Läden in Deutschland. Wir waren damals unter den ersten zehn. Und letztes Jahr haben wir einen Unverpacktverband gegründet und da bin ich auch im Vorstand. Wir wollen gerne die Läden untereinander ein bisschen besser vernetzen und wir wollen das Knowhow, was schon da ist, einfach streuen. Für uns und die anderen Läden war es damals sehr aufwendig mit den Ämtern oder auch den Lieferanten zu verhandeln. Wir hatten hunderte von Gesprächen. Das Konzept war damals in Deutschland noch gar nicht bekannt und somit war es für uns schwierig zu erklären, was wir überhaupt vorhaben. Es war sehr, sehr viel Erklärungsbedarf nötig. Und heute ist es so, dass wenn das Wort unverpackt fällt, dann ist es den Meisten schon ein Begriff und die Leute können sich auch was darunter vorstellen. Wir wollen mit dem Verband die Läden untereinander stützen und vernetzen. Und wir wollen auch gerne ein bisschen Lobbyarbeit leisten. Wir sind in Verhandlungen mit den Großhändlern. Dadurch haben wir auch schon erreicht, dass wir Vieles in Handgebinden bekommen, weil manche Großhändler sich jetzt speziell auf die Unverpacktläden einlassen und da speziell produzieren.

Redaktion EinDruck: Es ist schön zu hören, dass sich in der Richtung was entwickelt. Um zur eigentlichen Frage zurück zu kommen, was macht jetzt nun euren Laden genau aus? Also was ist so besonders? Weil ich auf eurer Internetseite zum Beispiel gelesen hatte, was ich jetzt schon einen besonderen Fakt finde, dass der Chef hier Koch ist.

Christin: Ja, das waren unsere “Kochbeutel”, die haben wir gerade aktuell nicht, weil wir nicht dazu gekommen sind, die neu zu machen. Aber genau, das war ein sehr beliebtes Produkt bei uns. Das muss man sich wie so eine Essensbox vorstellen. Bei uns war das eine Papiertüte für zwei Personen mit Rezept und allen vorgepackten Zutaten drin. Ansonsten haben wir ein größeres Angebot. Uns gibt es ja schon dreieinhalb Jahre und wie ich schon sagte, sind wir von 250 auf jetzt über 800 Produkte gewachsen. Das geht nicht von heute auf morgen. Man muss klein anfangen und kalkulieren.

Redaktion EinDruck: Wie groß ist der Einzugsbereich eurer Kundschaft und auch der Lieferanten?

Kundin: Mockau (Lachen)

Christin: Sehr gut. Unsere Kundschaft ist tatsächlich sehr vielfältig. Das hätten wir auch nicht gedacht am Anfang. Es kommen Nachbarn aus der Umgebung einkaufen – es kommen aber auch welche von weiter weg. Sprich aus dem Norden, aus dem Westen, aus dem Süden, das geht sogar bis Markkleeberg oder Markranstädt. Es kamen bis vor kurzem immer noch große Einkaufsgemeinschaften aus Halle extra her.

Redaktion EinDruck: Wow!

Christin: Ja, einmal im Monat. Da haben sich dann ganze Gemeinschaften zusammengefunden und die sind dann immer zu fünft hierhergefahren und haben dann für ein ganzes Haus eingekauft (Lachen). Jetzt hat aber vor ein paar Wochen in Halle selbst ein Unverpacktladen eröffnet. Aber wir haben wirklich immer sehr viel Kundschaft. Deswegen sage ich ja: „Es kann theoretisch in jedem Stadtteil einen Laden geben.“ Weil man ja eigentlich da einkauft, wo man wohnt beziehungsweise da wo man vorbeigeht. Und von daher sehen wir noch viel Potenzial.

Redaktion EinDruck: Seid ihr in Organisationen oder Vereinen?

Christin: Also Mitglied jetzt nicht, wir sind Förderer beim BUND e.V. und wir sind im Austausch mit dem Ökolöwen. Also so lokale Netzwerke, auf jeden Fall. Und überregional mit dem Verband sind wir eigentlich schon breit vernetzt.

Redaktion EinDruck: Wollt ihr mit eurem Verband Bildungsarbeit leisten o.Ä.?

Christin: Mit dem Verband nicht direkt. Wir haben aber relativ viele Anfragen von Schulklassen und Kindergartengruppen. Wenn es hier relativ voll ist, wird es immer schwierig mit 25 Schulkindern hier durchzuheizen. Am Anfang, als wir noch nicht so viele Kunden hatten, konnten wir das noch ganz gut machen. Aber jetzt wollen wir nicht den Kunden den Weg versperren und wir haben auch gerade nicht die Zeit dazu. Deswegen machen wir das nur noch an zwei Tagen in der Woche und mit vorheriger Anmeldung. In unserem zweiten Laden gibt es die Besonderheit, dass wir dann einen Workshop- und einen Veranstaltungsraum haben, den wir dann auch gezielt mit Schulklassen nutzen möchten. Zwei unserer Mitarbeiterinnen erarbeiten gerade ein Workshop- und Schulkonzept. Wir wollen gerne DIY-Workshops anbieten und gezielt nochmal mehr Informationen für Schulklassen und KITAs bereitstellen. Bisher machen wir nur einen kurzen Rundgang mit den Klassen, erzählen, warum wir das machen, was es damit auf sich hat und stellen ein paar Beispielprodukte vor. In dem neuen Laden in Schleußig kann man das dann alles ein bisschen ruhiger machen und noch schöner ausbauen.

Redaktion EinDruck: Wie sieht es denn mit dem Einzugsbereich eurer Lieferanten aus?

Christin: Das ist unterschiedlich. Also wir versuchen schon immer so regional wie möglich einzukaufen. Manche Produkte bieten wir nur saisonal an – die gibt es dann einfach mal nicht, wenn sie gerade nicht verfügbar sind. Wir schiffen das dann nicht von irgendwo aus der Welt ein. Die weiteste Strecke haben bei uns die Bananen zurückgelegt. Wir haben es mal ohne Bananen probiert aber da streiken die Kunden. Wir haben viele kleinere Leipziger Lieferanten, wie die Leipziger Ölmühle oder verschiedene Aufstriche oder Leipziger Honig. Ansonsten haben wir deutschlandweit Verträge mit verschiedenen Großlieferanten, die auch andere Bioläden und Unverpacktläden beliefern. Ein Großlieferant aus der Nähe von Nürnberg hat sich mittlerweile auch auf die Unverpacktläden spezialisiert und bietet viel im Pfandgebinde an.

Redaktion EinDruck: Wie sah die Entwicklung in der Vergangenheit aus und wie denkt ihr, wird es in Zukunft weitergehen?

Christin: Wie schon gesagt, war es dieses Jahr sehr überraschend für uns, dass unsere Kunden immer mehr werden. Trotz der zwei anderen Läden die jetzt noch entstehen, haben wir tatsächlich noch mehr Kundschaft. Auch durch unsere Crowdfunding-Aktion für den zweiten Laden sind wir noch bekannter geworden und es kommen Kunden, die vorher nichts von uns wussten. Es ist ein stetiger Zuwachs. Wie gesagt wir haben schon das Team für den zweiten Laden und warten darauf, dass wir den jetzt bald einrichten können. Gerade wird da der Boden noch gemacht. Und dann soll es da im September losgehen.

Redaktion EinDruck: Ja, alles klar. Hast du noch was Wichtiges zu sagen, was ich jetzt vergessen habe zu fragen? Was dir auf dem Herzen liegt oder so?

Christin: Mir ist es wichtig, dass die Leute selber versuchen Müll zu vermeiden – auch wenn man keinen Unverpacktladen in der Nähe hat. Das fängt mit Kleinigkeiten an. Zum Beispiel, dass man sich umgewöhnt und immer einen Stoffbeutel oder einen Kaffee togo-Becher dabei hat. Dass man mal anfängt zu sparen und im Restaurant oder in der Kneipe sagt: „Bitte, mein Cocktail ohne Strohhalm.“ Es gibt Edelstahltrinkhalme, die man saubermachen und wiederverwenden kann. Ich habe auch immer so ein Campingbesteck in der Tasche, wenn ich unterwegs irgendwo essen möchte. Das sind so Kleinigkeiten im Alltag, da kann man schon ganz viel Müll sparen. Oder wenn wir uns zum Beispiel Essen holen gehen – wir kommen auch nicht jeden Tag dazu uns was zu kochen – haben wir Edelstahl-Lunchboxen und gehen dann direkt in die Restaurants. Das macht hier unsere gesamte Belegschaft und wir sparen uns die Togo-Boxen für die paar Meter und die paar Minuten. Und auf der Karl-Liebknecht-Straße kennen uns alle schon und haben sich darauf eingestellt. Es sind Kleinigkeiten im Alltag, mit denen man schon megaviel Müll sparen kann und da sollte man anfangen. Bei uns hat das auch eine ganze Zeit lang gedauert, wir haben ja nicht von heut auf morgen unser ganzes Leben umgekrempelt, das geht auch gar nicht. Das macht auch keinen Spaß. Wir haben unseren Müll eine Woche lang gesammelt. Dann habe ich mir erst einmal angeschaut wieviel das ist und war erstaunt – oder erschrocken sage ich mal eher. Dann haben wir angefangen ohne diese kleinen Obst- und Gemüsebeutelchen und viel auf dem Markt einzukaufen, den Käse direkt in unserer Dose zu sichern und solche Sachen. Step by Step: Nur da wo es nicht weh tut, sag ich immer (Lachen).

Redaktion EinDruck: Vielen Dank für das Interview!

Also, werte Leserschaft, wenn Sie auf den Geschmack gekommen sind, schauen Sie doch mal bei Einfach Unverpackt rein. Und als kleinen Vorgeschmack ein Link zur Homepage von Christins und Pierres Geschäft.


lieber lose

Franziska, Florian, Judith und Anna haben im September 2019 ihren über Crowdfunding finanzierten Unverpacktladen lieber lose eröffnet. Dieser ist in der Zschocherschen Straße/Ecke Weißenfelser Straße zu finden, wobei der Eingang zum Laden an der Zschocherschen Straße liegt.

Franziska war so freundlich, uns noch vor der Eröffnung des Geschäftes einige Fragen zu beantworten.

Redaktion EinDruck: Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

Franziska: Nachhaltigkeit ist ein sehr umfangreiches Wort. Für mich bedeutet es den eigenen Konsum ständig zu hinterfragen. Das könnte beispielsweise so lauten: Wenn ich Kaffee trinke, frage ich mich welche Ressourcen werden verbraucht und ist das unbedingt notwendig? Muss ich wirklich fliegen, um meine Arbeitswege zu bestreiten oder mir Urlaub zu gönnen? (Wann) brauche ich ein Auto? Woher kommt mein Produkt und kann ich das weniger CO2-belastet konsumieren? Wie oft brauche ich Fleisch und woher kommt das Fleisch? Nachhaltigkeit bedeutet für mich auch, den Kapitalismus zu kritisieren und Dinge aufzubrechen. Es bedeutet für mich in Kooperationsverhältnissen zu arbeiten, weil das nachhaltig Beziehungen stärkt.

Redaktion EinDruck: Was sind Ihre Ambitionen für einen Unverpacktladen und wie sieht es in Ihrem Privatleben mit Verpackungen aus?

Franziska: Einen Laden zu eröffnen, der eine rundum ökologische Alternative zu ‚herkömmlichen‘ Supermärkten darstellt, das kam ziemlich ungeplant. Ich habe laut gedacht was ich mache, wenn ich wirklich mutig bin und mein Anstellungsverhältnis beende. Meine Freunde und Familie fanden die Idee klasse. Privat versuchen wir Müll zu vermeiden, wo es möglich ist. Das geht nicht ‚Zero Waste‘ (ohne Abfall), aber dafür ‚Wasteless‘ (abfallarm). Mein eigener Anspruch ist es, die Augen täglich offen zu halten und meinen Konsum zu hinterfragen. Wenn ich das konsequent mache, dann vermeide ich per se Müll. Ich freue mich auch privat auf die Eröffnung des lieber lose, denn das Sortiment mit 700 Produkten wird den Wocheneinkauf abdecken. Dann wird es auch mit der Müllvermeidung ein Leichtes.

Mit dem lieber lose möchte ich einen Beitrag zur Müllreduzierung und Ressourcenverschwendung hier in Leipzig beitragen. Ein Unverpacktladen ist nicht sofort gleich eine ökologische Alternative. Damit sie es wird, braucht es viel Vorarbeit: Lieferantenwege kurzhalten, eine energie- bzw. ressourcensparende Anlage des Ladengeschäftes, Produkte weitestgehend ohne Verpackung zu beziehen und die Transportauslastung und die eigenen Lieferanten zu hinterfragen und wenn möglich zu verändern. Das hat mich jetzt bestimmt sieben Monate beschäftigt. Wir haben geschaut, von wem wir unsere Waren beziehen, ob die qualitativ was hermachen, welche Herkunft die Produkte haben, wo noch mehr Verpackung gespart werden kann und wie wir die Verpackung, die unvermeidlich anfällt, weiterverwenden können. Das Ladengeschäft besteht zu 90 % aus Materialien, die schon ein Leben hatten. Das ist ressourcenschonend. Ich freue mich sehr auf die Menschen im Laden, die etwas an ihrem Konsum verändern wollen und im lieber lose dazu die passende Einkaufsstätte finden, auf den Austausch und den Ort generell, wie er fertig gebaut und gestaltet eröffnen wird.

Redaktion EinDruck: Was glauben Sie, wie Ihr Angebot in Zukunft angenommen wird?

Franziska: Ich glaube fest daran, dass Menschen in Plagwitz, Lindenau und Schleußig ökologisch(er) handeln wollen und im lieber lose ganz normal einkaufen gehen können. Mit Sicherheit werden die Kunden inspiriert, wie noch mehr Müll vermieden werden kann. Zum Beispiel gibt es bei uns Wein zum selbst Abfüllen von Winzer*innen aus Thüringen. So kann mit dem Einkauf im lieber lose sogar auch Glasmüll reduziert werden. Oder es gibt Honig aus dem Spender. Einige Produkte hier aus der Region kommen zu 100 % ohne Verpackung aus. Das ist ziemlich gut. Und weiterhin:

Es gibt Make Up Alternativen in sogenannten Refillsystemen (Nachfüllsysteme). Wir haben Stoffwindeln im Sortiment und sogar Putzmittel, das beinahe ganz ohne Verpackung auskommt.

Redaktion EinDruck: Wo ist eine Plastikverpackung unvermeidbar? Was glauben Sie wird wöchentlich bei Ihnen an Plastikmüll anfallen?

Franziska: Es gibt viele Medizinprodukte, bei denen Plastik aktuell noch unvermeidbar ist. Plastik per se muss aber auch nicht schlecht sein, wenn es eine lange Lebenszeit erfährt. Also nicht als Einwegprodukt genutzt und sofort weggeworfen wird. Mein Drucker ist auch aus Plastik. Der hatte ein langes Leben und gibt allmählich den Geist auf. Ich versuche aber ihm nochmal im Café Kaputt wieder etwas Lebensmut zu schenken. Es gibt mit Sicherheit viele Produkte, wie diese kleinen herausgegriffenen Beispiele, wo Plastik seit jeher eingesetzt wird und Alternativen sich am Markt gar nicht behaupten können. Andere Materialien sind oft teurer und werden dann oft nicht als besseren Option gewählt. Ich denke da zum Beispiel an unsere eigene Ladengestaltung. Wir hätten uns für Plastikspendersysteme entscheiden können. Die sind bei weitem günstiger als die Glas-Holz-Lösung, die wir nun im Laden installieren. Die Plastikspender haben eine Lebzeit von sieben Jahren, danach kann der Hersteller nicht mehr garantieren, dass es keinen Plastikabrieb gibt. Dann müsste ich sie austauschen und das geht am Ende auch wieder ins Geld. Glas ist einfacher zu reinigen, das spart Wasser und Zeit. Und die Spender aus Plastik kommen aus Amerika, das tut mir rein von der CO2-Bilanz her wirklich weh.

Redaktion EinDruck: Bedeutet für sie plastikfrei auch immer gleich Bio, Öko und/oder Vegan?

Franziska: Die Produkte im Laden stammen nicht alle aus zertifizierter ökologischer Landwirtschaft, zum Teil, weil Produzierende dafür teure Zertifizierungsschritte zu durchlaufen haben. Gerade kleine, junge Erzeuger aus der Region können und wollen sich das nicht immer leisten. Wir wissen dann aber um die Qualität der Produkte. Das ist zum Beispiel so bei einem Teil unserer Nudelwaren aus Dresden oder bei der Annalinde aus Leipzig. Umweltschonend agieren ist uns absolut wichtig.

Menschen, die vegan leben, werden im lieber lose fündig. Wir haben bei der Sortimentsgestaltung darauf Wert gelegt, dass es zu vielen unserer ‚Wasteless‘ Produkte zusätzlich eine vegane Alternative gibt: zum Beispiel vegane Kosmetik, vegane Wachstücher, Butterersatz im Pfandglas oder frisch gepresstes Nussmus, Schokolade usw.

Redaktion EinDruck: Welches Produkt möchten sie zukünftig unbedingt unverpackt anbieten, was jetzt noch nicht möglich ist?

Franziska: Ich finde es zum Beispiel ein Unding, wie massiv Plastik bei Kontaktlinsenflüssigkeit anfällt. Das wäre mir ein Wunsch. Milch oder Milchersatz in einer sinnigen Verpackung oder zum Abfüllen würde mir auch sehr gefallen, aber bisher gibt es für diese Produkte noch keine Lösungen, die wirklich ökologischer sind.

Redaktion EinDruck: Was geschieht mit alter Ware oder solcher, die kurz vorm Ablaufdatum ist?

Franziska: Die Waren werden zunächst günstiger. Uns ist es wichtig, dass Lebensmittel nicht verschwendet werden und so können im lieber lose auch Vortagsbackwaren von Leipziger Handwerksbäckereien gekauft werden und Überschussware von regionalen Landwirtinnen. Wir haben ein kleines Lager, deshalb werden Produkte bei uns nicht lange liegen. Das braucht eine intelligente Warenwirtschaft und schließt Lebensmittelverderb eher aus. Verkommen wird bei uns aber nichts, vorher verschenken wir es an Mitarbeiterinnen oder Kund*innen – natürlich nach Prüfung der Qualität.

Redaktion EinDruck: Was, denken Sie, wird Ihr Bestseller?

Franziska: Unser Nussmus ist einzigartig frisch und lecker, das werden Kund*innen mit Sicherheit mögen. Ich kann mir gut vorstellen, dass unsere Kosmetik- und Drogeriewaren gut angenommen werden. Bei den Lebensmitteln bin ich selbst gespannt, ich bin von allen überzeugt. Wir haben sehr faire und transparente Preise, das wird den Verkauf auch determinieren. Konkret, wie Sie sehen, kann ich das aber gar nicht sagen. Fragen Sie mich nächstes Jahr doch noch einmal.

Redaktion EinDruck: Was wird Sie ihrer Auffassung nach von anderen Unverpacktläden unterscheiden?

Franziska: Wir wollen und müssen uns gar nicht unterscheiden. Es ist wichtig, dass wir kleinen Läden bestehen und uns etablieren, dafür leisten wir sehr viel für unsere Kund*innen. So reflektiert Waren zu beziehen (Verpackung, Lieferwege, Qualität) wie wir, das kann und macht kein Supermarkt sonst. Im lieber lose ergänzen wir ein bisschen das Konzept eines typischen Unverpacktladens um ein breites Drogerieangebot, Vortagsbackwaren und Überschuss von Obst und Gemüse.

Redaktion EinDruck: Wie groß ist der Einzugsbereich Ihrer Lieferanten?

Franziska: Wir beziehen Lebensmittel und Drogeriewaren von beinahe 50 Lieferanten. Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Uns ist es aber ein Anliegen, dass unsere Kund*innen unsere Lieferantenbeziehungen und -entscheidungen nachvollziehen können, wenn es sie denn interessiert. Unser Ansatz ist ein rundum ökologischer, aber mit Sicherheit können wir an vielen Stellen noch Dinge anders machen. Wir werden im Laden Lieferwege, die besonders kurz sind, sichtbar machen und wir sind offen und vorfreudig auf den Austausch mit unseren Kund*innen.

Redaktion EinDruck: Planen Sie in Ihrem Geschäft Aufklärungs- und Bildungsarbeit?

Franziska: Wir wollen Menschen inspirieren, aber nicht moralisch interagieren. Wir haben Ideen bezüglich der Zusammenarbeit mit dem Kindermuseum in der direkten Nachbarschaft. Da wird mit Sicherheit ab 2020 interessant Ergänzendes geschehen. Das ist auch unser Geist. Wir haben viele Ideen, aber müssen uns jetzt zunächst auf die Eröffnung des Ladens konzentrieren, der noch etwas Vorarbeit, was Bau und Ladengestaltung angeht, bedarf.

Redaktion EinDruck: Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Franziska: Ich bin optimistisch, vorfreudig unkonkret. Ich bin ein umtriebiger Geist und weiß schon jetzt, dass wir gemeinsam immer neue spannende Dinge mit dem Laden anstellen werden, so dass uns selbst nie langweilig werden wird.

So lieber Leser, wenn Sie mal in Plagwitz oder der näheren Umgebung unterwegs sind, schauen Sie doch mal bei lieber lose rein. Und für weitere Informationen hier ein Link zur Webseite.


Locker & Lose

Kristin und Veronika, genannt Vroni, haben ihren Unverpackladen über Crowdfunding finanziert und Mitte des Jahres 2019 in der Josephinenstraße eröffnet.

Veronika und Kristin nahmen sich wenige Wochen nach der Eröffnung für uns die Zeit, ein Interview zu führen.

Redaktion EinDruck: Was sind oder waren ihre Ambitionen?

Kristin: Ich bin schon mein ganzes Leben sehr umweltbewusst und hab schon sehr früh, vor 30 Jahren, erkannt, wie die Welt funktioniert und war auch immer sehr empathisch, was das Tierleid betrifft. Verpackungsfrei ist ja ein großes Gebiet, was ja die Lebensführung und viele Dinge umschließt. Meine Ambitionen sind klar: eine möglichst gesunde Welt. Wir wollen einfach auch den Kindern eine lebenswerte Zukunft geben, das ist einfach die größte Ambition. Und ich mache das auch im Privaten. Ich habe schon viel verpackungsfrei eingekauft, auch schon bevor es den Unverpacktladen in Leipzig gab. Dort war ich natürlich mit eine der ersten Kundinnen.

Veronika: Seit sieben, acht Jahren ernähre ich mich vegan und ich war damals sehr begeistert, als in Berlin der Unverpacktladen aufgemacht hat. Und dann gab es halt den in Leipzig und somit ging es los, dass ich mich mit dem Thema auch immer mehr befasst habe. Und Stück für Stück habe ich versucht Verpackungen zu reduzieren. Mittlerweile mit dem eigenen Laden gibt es jetzt gar keine Verpackung mehr. Es geht nicht nur darum Lebensmittel einzukaufen, sondern auch, wenn man sich mal was „To Go“ („zum Mitnehmen“) holt, dass man da auch seine eigenen Gefäße mitbringt und einfach konsequent ist. Man darf jetzt nicht denken, dass man der Freak ist und alle gucken einen komisch an, sondern sich einfach sagen: „Warum? Ist doch richtig so wie ich das mache.“ Und das versuche ich so durchzusetzen. Ich glaube man kann aus ganz vielen diversen Gründen in einen Unverpacktladen gehen. Klar, es hat für mich angefangen, dass ich sage: „Ich will weniger Müll produzieren.“ Und vor allem mein Obst und Gemüse, das ich kaufe soll nicht in Plastik verpackt sein. Denn das ist in so vielen Fällen so unglaublich absurd, weil Plastik einfach auch gesundheitsschädlich ist. Was wir uns täglich an chemischen Stoffen einflößen, die in Plastik stecken! Zu schauen: Was tue ich meinem Körper damit an? Was tue ich dem Körper meiner Kinder damit an, wenn ich denen ständig Joghurt oder Quark aus Plastikverpackungen gebe?

Redaktion EinDruck: Wenn ihr über euch selber redet, wie sieht das dann in eurem Bekanntenkreis aus? Da könnt ihr vielleicht die zweite Frage gleich mitnehmen: wie das Angebot angenommen wird von eurem Laden?

Veronika: Jeder hat seinen Schwerpunkt. Der eine ernährt sich vegan, der andere Zero-Waste (null Müll), der nächste macht eher wenig, wegen der Bequemlichkeit. Natürlich habe ich einen Freundeskreis, der tendenziell sehr nachhaltig lebt. Man ist ja in seiner kleinen Blase gefangen und ich glaube alles andere wäre absurd. Also ich habe keine Freundinnen, die jedes Wochenende in die Innenstadt zum Shoppen gehen würden und sich schlimmstenfalls im Anschluss bei McDonalds oder Subway noch was zu essen holen, vielleicht machen die das aber auch heimlich (lachen).
Und man merkt halt, wenn man diesen Laden hat, seit einigen Wochen haben wir ja geöffnet, dass die eigene Blase natürlich wächst. Das ist schön. Und man kann schon sagen, dass unser Angebot sehr gut angenommen wird, in der Zeit in der wir jetzt da sind. Wir haben deutlich mehr Kundschaft als wir gedacht hätten. Wir haben auch schon ein paar Stammkunden und das ist halt wirklich schön zu sehen. Wie es wirklich tendenziell ist, kann man aber erst nach einem Vierteljahr sagen. Haben die Leute wirklich Bock drauf oder ist es nur die reine Neugier, die jetzt mal befriedigt wird und dann gehen sie doch wieder nach drei, vier Wochen regelmäßig in große Supermärkte oder Discounter. Das wird man dann erst sehen, glaube. Aber jetzt haben wir schon ein gutes Gefühl.

Redaktion EinDruck: Wir haben uns in der Redaktion damit beschäftigt, wie denn früher verpackt wurde. Wir haben überlegt, wie das in der Kindheit war oder meine Redakteurin hat ihre Oma gefragt, wie denn früher verpackt wurde. Habt ihr euch auch mal Gedanken dazu gemacht oder habt ihr da ein Bewusstsein?

Veronika: Ja man kennt das aus Erzählungen. Aber ich glaub nicht, dass ich das noch so mitbekommen hab. Natürlich weiß man, dass die Großeltern oder der Mann meiner Mutter jetzt auch sagen: „Der typische Krämerladen oder wie so ein Kolonialwarenladen (Tante-Emma-Laden) oder so.“ Und ja, dass man weiß, dass Butter in einem Stück abgeholt werden konnte und kurze Lieferwege wichtig waren. Damals war Regionalität ein großer Faktor. Ich glaube, wenn man aus der DDR kommt oder da geboren ist, dann weiß man erst recht, was es bedeutet regional zu essen oder zu konsumieren. Es gab ja nicht in dem Maße – so wie wir es heute haben – dass wir Dinge aus der ganzen Welt heranschaffen. Und ich glaube, damals wurde Vieles in „natürlichen Verpackungen“ belassen. Vor allem wurde Obst und Gemüse einfach nicht in Plastik eingepackt. Was heute sehr gestiegen ist, sind Behördengänge und Hygienebestimmungen. Da herrscht einfach ein ganz anderer Maßstab, den man mittlerweile erfüllen muss. Ich glaube, das wichtig ist, dass sich die Lieferanten und Produzenten das abschauen, wie wir das hier im Laden anbieten. Wir brauchen es ja nur groß abgepackt oder in Papiersäcken oder in Stoffsäcken.

Redaktion EinDruck: Wo denkst du, dass Plastikverpackungen unvermeidbar sind?

Veronika: Ich denke alles kann man anders einpacken bzw. umverpacken. Ich glaube, dass es wirklich nichts gibt, das unbedingt eine Plastikverpackung braucht. Wir bekommen unsere Waren ja auch verpackt geliefert. Es gibt noch so ein paar Sachen, wie zum Beispiel Geschirrspülsalz oder Regeneriersalz (Wasserenthärter), das wir derzeit noch in großen Plastiksäcken bekommen, weil das sehr schnell Feuchtigkeit zieht und sich somit auflösen würde, wenn es in einem Papiersack ist. Aber selbst wenn Produkte plastikverpackt sind, wie bei dem Regeneriersalz, versuchen wir Lieferanten zu finden, die uns das in Pfandeimern bringen. Plaste ist ja nicht generell schlecht. Es ist ja eine Erfindung, die zur wirtschaftlichen Entwicklung stark beigetragen hat, wie auch der Otto- oder Dieselmotor. Aber in dem Ausmaß, in dem Plaste produziert und verwendet wird ist es einfach absurd. Und vor allem muss man nicht natürliche Lebensmittel permanent in Plastik einpacken und es gibt gute Systeme, wie große Pfandeimer oder dann diese Papiersäcke.

Redaktion EinDruck: Für mich stellt sich jetzt die anschließende Frage, wieviel Plastikmüll fällt denn bei euch in der Woche an?

Veronika: In einer Woche? Das ist schwierig. Also wir wollen es gerne mal hochrechnen und wir haben ja unser großes Lager. Wir sammeln noch alle Verpackungen die wir so haben und da sind natürlich Sachen aus Plastik. Und jetzt haben wir seit fünf Wochen auf und haben einen Plastesack voll mit Plaste.

Redaktion EinDruck: Da stellt sich mir die Frage. Habt ihr den Müll abbestellt?

Veronika: Ja, genau. Das kann man machen, man kann Müll abbestellen. Ich glaube, als Privatperson darf man es nicht. Und wir haben natürlich Mülltonnen für Pappe und Papier und halt auch gemischten Müll. Wir nutzen auch diese Papier- und Pappsäcke, um unsere Visitenkarten zu stempeln. Wir machen also auch viel mit Upcycling (aus alt mach neu). Das ist ein wichtiges Thema. Wir wollen keine Visitenkarten drucken, das wäre absurd für uns. Dann würden wir wieder Müll produzieren. Also nehmen wir Dinge die vorhanden sind und wir haben uns einen Stempel anfertigen lassen. Das ist auch die nachhaltigste Alternative, um Visitenkarten zu bekommen. Es ist ein bisschen aufwendiger und mit mehr Arbeit verbunden. Aber es ist halt für uns eine gute Sache.
Wir haben jetzt schon bei drei, vier Produkten die wir erstmals in großen Plastiksäcken bekommen haben, mittlerweile neue Lieferanten gefunden, die es anders anbieten. Das ist mit unglaublich viel Recherche verbunden. Wo kommt das her? Wie wird das produziert? Ist es nachhaltig, ist es ökologisch oder regional produziert? Wie ist es verpackt? Da eine Gratwanderung zu finden für ein gutes Zwischenmaß ist nicht einfach. Denn überteuerte Produkte wollen wir auch nicht anbieten.

Redaktion EinDruck: Vorhin hattest du ja schon ein bisschen angeschnitten, du lebst vegan. Wir haben uns die Frage gestellt: Bedeutet plastefrei auch immer gleich Bio, Öko oder Vegan?

Veronika: Mir ist vor allem eines aufgefallen. Als ich vor drei Jahren angefangen habe bei einfach Unverpackt in der Kochstraße einkaufen zu gehen, wollte ich auch erstmal schauen und fand die Preise “so naja”. Aber dann lernt man bewusster einkaufen zu gehen und bewusster zu konsumieren und nicht mehr in diesen Massen einzukaufen. In einen Supermarkt zu rammeln, der überfüllt ist mit Regalen, überfüllt ist mit einer Masse an Herstellern, ist anstrengend. Das heißt ja jetzt nicht, dass du „Öko“ sein musst, du musst nicht vegan oder vegetarisch leben, sondern du musst bewusster leben. Eine eigene Entscheidung wieder treffen über das, was ich konsumiere. Und die Verpackung verspricht mir jetzt Schönheit und Gesundheit und das beste Candle Light Dinner und dies und das und den Kindern Prinzessin Lilly Fee und die Superhelden auf der Verpackung. All diese Sachen gibt es halt nicht in einem Unverpacktladen. Sondern du gehst wirklich rein und kaufst das, was du wirklich brauchst oder was deinen eigenen Bedürfnissen entspricht und nicht, was dir von großen Marketing-Strategen suggeriert wird. Das ist für mich mit der wichtigste Faktor. Es geht hier nicht nur um verpackungsfrei, sondern um entschleunigtes und bewusstes Einkaufen. Und dafür muss man nicht „Öko“ oder Vegetarier sein.

Redaktion EinDruck: Habt ihr ein Produkt, das ihr zukünftig unbedingt unverpackt anbieten möchtet?

Veronika: Ja, pflanzliche Milch. Man kann sie selber machen, klar. Und ich mach Hafermilch für mich selber. Das geht superschnell. Wir wollen sowas gerne im Pfandsystem haben. Also sowas wie Tofu, Seitan, Soja, Hafermilch, Mandelmilch oder was auch immer. Diese Produkte im Pfandsystem wäre echt cool. Ansonsten Schokolade, Bruchschokolade. Wir suchen immer noch nach einem Schokoladenhersteller, wo am Ende noch ganz viel Bruch übrig bleibt und die uns das verfügbar machen würden. Sowas wäre halt auch cool. Es gibt so ein paar Sachen wo wir noch keinen Lieferanten gefunden haben der das macht, herstellt oder uns das zur Verfügung stellen würde. Ansonsten würde mir jetzt nichts mehr spontan einfallen. Es gibt schon sehr viel ökologisch verpackte oder unverpackte Dinge.

Redaktion EinDruck: Was Nachhaltigkeit bedeutet hat sich in den letzten Jahren ziemlich gewandelt. Was versteht ihr darunter?

Veronika: Ja, Nachhaltigkeit ist immer so ein Begriff. Für mich ist Nachhaltigkeit vor allem, sich bewusst zu machen, was ich mit dem Konsum will. Brauch ich es wirklich und in welcher Form brauch ich es und darüber nachzudenken. Das hat nicht nur mit Ernährung zu tun, sondern auch damit, welche Kleidung ich kaufe. Das heißt nicht, ich muss immer Second-Hand kaufen, sondern vielleicht auch einfach einmal ein gutes Kleidungsstück. Wie wird was produziert, wie oft kann ich es einfach benutzen, was ist der Mehrwert dafür, wenn ich einfach 40 Euro für ein T-Shirt ausgebe und nicht vier Euro, was ich nach ein paar Tagen wegwerfe. Es geht jetzt nicht darum kein Auto mehr zu fahren, man kann ja mal Auto fahren. Man kann aber auch für viele Strecken das Fahrrad nehmen oder mal mit dem Zug fahren. Und Nachhaltigkeit bedeutet für mich abzuwägen wie hoch der Nutzen ist und sich dessen bewusst zu werden. Großartig ist auch dieses „cradle to cradle“ (Wiege zu Wiege). Da geht es darum bei der Erschaffung schon darüber nachzudenken, wie ich das in den Kreislauf zurück bringe. Das heißt, wir haben auch Bücher, die in diesem „cradle to cradle“-Verfahren produziert sind. Ein Buch kann z.B. so wie es ist, eins zu eins recycelt werden. Was bei vielen Sachen halt sehr schwierig ist. Weil dann die Druckerschwärze nicht stimmt oder das Papier nicht stimmt und dann ist es immer Restmüll am Ende. Und das gibt es halt bei vielen Dingen. Und ich glaube, es ist für mich Nachhaltigkeit, schon mit der Produktion darüber nachzudenken: Was produziere ich, wie produziere ich und wie kann das auch in den Kreislauf wieder zurückgeführt werden. Und all das sollten Produzenten überdenken und das können auch wir als Konsumenten überdenken. Das ist für mich Nachhaltigkeit.

Redaktion EinDruck: Wie gewährleistet ihr die Hygiene und die Haltbarkeit eurer Produkte?

Veronika: Wir haben für viele Produkte die Schippen, da darf also keiner rein oder ran, auch wenn einmal zu viel abgefüllt ist. Manche Kunden kommen dann auf die Idee, ich kann es ja oben wieder reinkippen, ich hab’s ja nur in mein Glas gekippt. Das gibt es halt nicht, darf halt nicht. Natürlich hat man viele krasse Hygienestandards, die man irgendwie erfüllen muss. Wichtig ist immer, einen Spuckschutz zu haben, dass immer alles abgedeckt werden kann. So ist es halt im Laden: Man hat Zangen oder Schaufeln oder was auch immer, um es aus den Gefäßen rauszunehmen bis auf Gemüse und Obst, das nimmt man natürlich mit der Hand. Und im Lager ist es so, dass wir versuchen alles kühl und trocken zu lagern. Natürlich müssen wir aufpassen, wenn es jetzt wieder so richtig heiß wird wie vor drei, vier Wochen. Dann stellen wir wirklich mehr Produkte abends in den Kühlschrank.

Redaktion EinDruck: Was geschieht bei euch mit alter Ware oder welcher, die kurz vor dem „Ablaufen“ ist?

Veronika: Naja zum Glück hatten wir das noch nicht – wir haben ja erst seit fünf Wochen auf. Aber wir haben schon mitbekommen, dass manche Rhythmen schwierig zu kalkulieren sind. Frische Milch in der Pfandflasche zum Beispiel hält sich immer nur eine Woche. Die wird Anfang der Woche geliefert und dann haben wir ganz viele Flaschen. Wenn wir dann sehen, es ist Donnerstagabend – und die Flaschen laufen meistens Sonntag ab – dann setzen auf den Einkaufspreis runter. Bei den anderen Sachen da sind wir halt noch zu neu und da haben die Produkte noch eine lange Haltbarkeitszeit.

Redaktion EinDruck: Was ist bei euch im Laden ein richtiger Bestseller?

Veronika: Auf jeden Fall Müsli. Haferflocken sind der Renner – alle lieben Haferflocken! Nudeln auch und was bei uns erfreulicherweise besonders gut läuft, da sind wir besonders happy drüber, das sind die Produkte von der Annalinde. Das ist unser Kooperationspartner und das sind junge Leute aus Leipzig-Lindenau, die hier produzieren und Bock auf urbane Landwirtschaft haben. Es ist unkompliziert und frischer, mit lokalen Lieferanten zu arbeiten. Wir verkaufen in der Woche zehn bis fünfzehn Salate. Das klingt jetzt erstmal nicht so viel. Aber für den Anfang ist das schon super. Und gerade frische Produkte von der Annalinde werden gerne genommen. Wir möchten den Leuten auch mal wieder was aus der Region und vor allem auch was Saisonales bieten.

Kristin wünscht sich noch mehr frisches Getreide in unserem Angebot. Also Getreide, welches noch nicht gemahlen oder geschrotet ist. Wir haben ja auch eine Getreidemühle bei uns im Laden, denn wir wollen gern vollwertige Ernährung anbieten.

Redaktion EinDruck: Was unterscheidet euch nun von anderen Unverpacktläden? Man hat ja selber einen Anspruch und auch Ideen.

Veronika: Wir haben den Anspruch, den Landen so nachhaltig wie möglich einzurichten. Wir haben es beim Umbau bemerkt, als wir bei manchen Sachen unglaubliche Bauchschmerzen bekamen. Das hatten wir so nicht erwartet und dann muss man eine Trockenbauwand einziehen und denkt sich so: „Oha, was das bedeutet!“ Beim Ladenkonzept haben wir versucht alles so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Durch Upcycling haben wir die Theke und die Obst- und Gemüseaufsteller gebaut und kaum was neu gekauft. Und wir haben mit Naturfarben von Farben Kontor aus der Spinnerei gestrichen, die man selber anrührt. So verbraucht man keinen zusätzlichen Plastikeimer und hat auch keine Chemie an Wänden und Möbeln. Kristin hat auch Steckdosen aus Holz gefunden und nicht aus Plastik.



Redaktion EinDruck: Volker, der euch angeschrieben hat, der war total begeistert davon.

Veronika: Das war auch Kristins Highlight, glaube ich. (Lacht) Das haben wir versucht so konsequent wie möglich durchzuziehen. Alle Möbel die im Café stehen sind upgecycelt – das ist ein wichtiges Thema für uns. Wir haben die bekommen und haben die aufgemöbelt. Und wir wollen in Zukunft ein Upcyclingprodukt des Monats bei uns einführen. Zurzeit haben wir Baumwollsäckchen mit einer Nähanleitung, die wir für unsere Kunden selbst nähen. Es gibt tolle Unternehmen, tolle junge Leute, die Bock haben aus bestehenden Sachen was Neues zu machen: zum Beispiel GotBack – das sind Rucksäcke, die wasserabweisend sind und aus 100% Plastemüll aus den Meeren hergestellt werden. Wir wollen immer ein Upcyclingprodukt mit aufnehmen und vorstellen. Auch unser Spendersystem ist nicht aus Kunststoff, denn der amerikanische Hersteller gibt nur sieben Jahre Garantie und man weiß nie, ob es nicht auch Abrieb gibt. Deshalb haben wir uns für Glasbehälter aus München entschieden. Die mussten zusätzlich nicht übers Meer geschippert werden. Für uns wäre es absurd, wenn wir erst nach drei oder vier Jahren nach Eröffnung des Unverpacktladens unseren ökologischen Fußabdruck wieder raushaben, den wir mit der Eröffnung produziert haben.

Redaktion EinDruck: Du hast vorhin schon von euren Lieferanten erzählt. Habt ihr schon einen Eindruck gewonnen, wie der Einzugsbereich eurer Kunden ist? Kommen nur Menschen aus Reudnitz oder auch welche aus anderen Stadtteilen?

Veronika: Ja, ich glaube die meisten sind bisher Reudnitzer – vielleicht noch aus Stötteritz oder auch aus Gohlis. Also alle, für die der Unverpacktladen in der Kochstraße nicht mehr ganz so attraktiv ist, weil er doch ein bisschen weiter weg ist, die kommen vielleicht schon tendenziell zu uns. Natürlich sind auch viele aus der Nachbarschaft, die einfach kurze Wege brauchen und nicht darüber nachdenken unverpackt einzukaufen. Es kommt jetzt niemand extra von weit her gefahren.

Redaktion EinDruck: Und die Lieferanten sind auch aus der näheren Umgebung?

Veronika: Genau. Wir suchen viele Lieferanten und Produzenten, die in Leipzig sind, wie Leipspeis mit den Ölen und Aufstrichen oder Rosenberg, der Fruchtaufstriche macht oder der Wese (veganer Käse) – alle aus der Region, die Annalinde sowieso. Wir haben auch Naturkost Erfurt als Großhändler im Sortiment. Viele Produzenten, gerade Molkereien, machen keinen eigenen Vertrieb mehr, sondern liefern stattdessen an Großlieferanten. Die können sich die ganze Verteilung an die kleinen Läden sonst gar nicht leisten. Und so landet viel bei Naturkostgroßhändlern. Dann gibt es noch Bananera, die jetzt nicht in unserer Umgebung sind, die aber für uns die beste Umverpackung haben, weil die uns Müsli und Nudeln in 25-Kilo Säcken oder 10-Kilo Papiersäcken anbieten. Und so gucken wir immer: Woher kommt es und wie ist es verpackt? Tendenziell sind jetzt 50 bis 60% aus der Region.

Redaktion EinDruck: Ich hatte gesehen am Eingang habt ihr diese alten Bäckertüten. Was verpacken die Leute darin?

Veronika: Manche nehmen das für Nudeln, manche machen da auch ihr Müsli rein. Es kommt immer auf den Kunden drauf an, wie seine eigenen Hygienestandards sind. Das sind natürlich Bäckertüten oder Gläser, die von uns so gut wie möglich gereinigt wurden. Wir haben auch neue. Aber es gibt schon genug Stoffbeutel auf der Welt und wir werden jetzt nicht anfangen Stoffbeutel mit unserem Logo zu machen.

Redaktion EinDruck: Die müssten auch 120 mal genutzt werden, um den Energieaufwand zu rechtfertigen. Aus meiner Kindheit habe ich die Erinnerung, dass unsere Eltern immer alles eingekocht haben. Nach der Wende wurden so viele Einweggläser weggeschmissen – so eine Materialverschwendung! Wenn man da gewusst hätte, dass man jetzt wieder damit anfängt … Das gab es alles schon mal.

Veronika: Es gibt einen coolen Hersteller in Spanien… na gut er ist aus Spanien. Und die machen aus 100% recyceltem Glas wieder Gläser.

Redaktion EinDruck: Habt ihr denn noch Kooperationen, die bewusst mit Weltressourcen umgehen?

Veronika: Kristin und ich sind noch beim BUND und im AKR (Arbeitskreis Ressourcen und Recycling). Aber wir haben noch keine Kooperation gegründet. Wir wollen das gerne. Liebend gerne, wenn Leute sagen: „Hey, wir können irgendetwas aus diesen Papiersäcken machen.“ oder „Gebt uns eure Umverpackung für dies und das.“, dann können sie sich liebend gerne an uns wenden.

Kooperationspartner und Zulieferer der Unverpacktläden sind unter anderem:
Annalinde gGmbH
Egenberger Lebensmittel
Kir(s)chgarten
Leipspeis
Ökolöwe Umweltbund Leipzig e.V.
AG Abfall
Plagwitzer Wanderimkerei
Räubersachen
Café Kaputt
Rosenberg Delikatessen
SAUBERKASTEN
Schaubühne Lindenfels
UNIKATUM Kindermuseum Leipzig
Ernährungsrat Leipzig und weitere
• Und natürlich bestärken sich die Unverpacktläden untereinander

Redaktion EinDruck: Ihr habt da ja schon ein klares Sendungsbewusstsein. Wird eure Leseecke in Zukunft zum Beispiel für Vorträge o.Ä. genutzt?

Veronika: Wir haben dafür Anfragen, z.B. vom Kleiderkreisel, aber noch nicht die Zeit, uns darum zu kümmern. Aber tendenziell werden wir den Arbeitskreis hier stattfinden lassen. Natürlich wollen wir irgendwann DIY-Workshops (Do it yourself = Mach es selbst) in unserer coolen Kaffeeecke anbieten. Aber das ist viel Aufwand und Arbeit. Wir haben 1000 Projekte, Wünsche und Pläne – das kommt alles noch.

Redaktion EinDruck: Uns würde jetzt noch interessieren wie ihr auf die Idee mit der Leseecke gekommen seid. Also Aufklärungs- und Bildungsarbeit, aber das hatten wir jetzt schon ein bisschen.

Veronika: Mit der Kaffeeecke, ja.

Redaktion EinDruck: War der Raum jetzt quasi übrig?

Veronika: Wir haben bewusst eine Spielecke für die Kids eingeführt, damit die Eltern in Ruhe unverpackt einkaufen gehen können. Irgendwann wollen wir auch eine Abfüllstation für Kinder bauen, wo Kinder selbst was abfüllen können. Irgendwann soll es auch einen Mittagstisch mit saisonalen Zutaten geben, um die Leute zu inspirieren: Dass man zum Beispiel bei roter Bete nicht nur die Knollen, sondern auch die Stängel und Blätter und alles verwerten kann.

Redaktion EinDruck: Ihr wollt dann selber kochen?

Veronika: Genau, wir wollen dann selber kochen. Aber das kommt alles erst noch.

Redaktion EinDruck: Was habt ihr euch so für Ziele gesteckt die nächsten Jahre?

Veronika: Ich glaub es gibt gar kein Ziel. Wichtig ist, dass wir uns halten können, dass sich der Laden wirtschaftlich rentiert und die Leute Bock haben bei uns einzukaufen. Das wir gute Produkte haben, die wir gut erklären und vertreten können. Wo wir wissen was drinnen steckt und woher es kommt. Im Idealfall kommen irgendwann 70% des Sortiments aus der unmittelbaren Region, nicht weiter als 60, 70 km entfernt von Leipzig. Wir wollen es so gut wie möglich für uns machen. Mit einem guten Gefühl hier rausgehen und zu wissen, wir haben das so erreicht mit der Vision, die wir im Kopf hatten. Dass wir die Welt halt ein Stück grüner machen oder halten können. Leute zu inspirieren und zu sagen: „He, du musst jetzt nicht Öko sein und barfuß in unseren Laden schlendern. Sondern du kannst hier einfach normal einkaufen. Und bewusster einkaufen… entspannter einkaufen. Ja, ich glaube, wir sind einfach noch so geflasht, von dem was wir erstmal erreicht haben. Dabei hatte keine von uns beiden vorher darüber nachgedacht, in die Selbstständigkeit zu gehen. Aber ich glaube, wenn man richtig Bock darauf hat und man sagt: „Man will einfach was verändern, nicht nur mit dem eigenen Konsumverhalten, sondern auch Anderen die Möglichkeit geben.“ Dann hat man irgendwie das Gefühl, das läuft dann, auch wenn das ein Herzensprojekt ist. Ja, wir sind happy.

Na… Lust bekommen, bei Locker & Lose mal reinzuschauen? Dann auf nach Reudnitz in die Josephinenstraße 12. Und hier noch ein Link zur Webseite von Locker & Lose.


Nun werte Leser, da haben Sie ja ab sofort die freie Auswahl, wo Sie in Leipzig verpackungfrei einkaufen gehen können. Und so kann auch ich meinen Alltag kunststoffärmer gestalten. Also, leere Gläser geschnappt und los.


Bildquellen: Pixabay, Redaktion EinDruck, lieber lose, Locker & Lose

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