Herbst. Die letzten Früchte sind reif, die Bäume werfen ihre Blätter ab. Die Zugvögel haben ihre Nester verlassen und fliegen an warme Orte.

Es ist noch nicht genau erforscht, wie Zugvögel Kurs, Zeit, Entfernung, Geschwindigkeit und Höhe des Luftweges bestimmen. Ob sie von der Sonne oder den Sternen, von Magnetfeldern oder von der Landschaft geleitet werden, bleibt ein Geheimnis. Genetisches Gedächtnis, Erfahrung und ein instinktives Gefahrenbewusstsein helfen den Reisenden, Schwierigkeiten zu überwinden und ihre Ziele zu erreichen.

Doch nicht alle Vögel erreichen ihre Ziele. Diese genialen Kreaturen sind nicht nur für Ornithologen, sondern auch für Jäger von großem Interesse. Jedes Jahr sterben Millionen von ihnen auf der Zugroute. In Ägypten stürzen sie in die Hunderte von Kilometer langen Fangnetze. In Italien und auch auf Malta werden sie abschossen. In Spanien stellen Wilderer Fallen mit Klebstoff auf. In Zypern fallen die Opfer Netze, die in Olivenbäumen versteckt werden. Arme Vögel beenden ihren Weg auf den Tellern teurer Restaurants.

Im Gegensatz zu anderen Zugvögeln haben die Störche das Privileg, durch Mythen geschützt zu sein: Der Storch ist ein Symbol der Liebe. Er bringt Kinder mit.

Wenn die Störche ein Nest auf dem Dach bauen, soll es im Haus Glück geben. Einen Storch zu töten bedeutet Unglück zu bringen. In islamischen Ländern werden Störche besonders verehrt und als „Pilger von Mekka“ bezeichnet.

Störche fliegen bequem. Sie ruhen nachts und machen tagsüber Halt, um sich zu ernähren. Es bereitet ihnen nicht viel Mühe zu fliegen. Diese intelligenten Vögel haben gelernt, wie man die aufsteigenden Luftströme nutzt. Sie erheben sich spiralförmig und gleiten auf ausgebreiteten Flügeln über den Himmel. Da es keine aufsteigenden Strömungen über dem Meer gibt, fliegen die Störche über Land. Dies erklärt möglicherweise die Wahl einer Route in westlicher Richtung über Gibraltar – der schmalsten Meerenge des Mittelmeers.

In Osteuropa nistende Störche wandern über den Bosporus in den Sudan und weiter nach Tansania bis ins südliche Afrika. Westeuropäische Störche fliegen nach Senegal und Tschad.

In den letzten Jahren machen immer mehr Störche keine heldenhaften Flüge über die Meere und Wüsten, sondern verbringen die kalte Jahreszeit in Südspanien, um Nahrung auf städtischen Mülldeponien zu finden.

Weißstörche erreichen die Überwinterungsgebiete im November-Dezember. Die Vögel ruhen nach einem langen Flug unter der heißen afrikanischen Sonne und gewinnen Kraft für ihre Rückreise. Bereits im Februar kehren sie nach Hause zurück, um neue Nachkommen zu zeugen. Im Frühjahr schlüpfen die Küken, wachsen im Sommer auf, lernen fliegen und verlassen im Herbst ihr Nest. Und so beginnt der Kreislauf von vorn.

Ich empfehle Ihnen, sich diesen Film über Zugvögel anzuschauen:

Zugvögel (1/2): Kundschafter in fernen Welten:

https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/zugvoegel-kundschafter-in-fernen-welten-100.html

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